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Ratgeber

Wann Sie für den Gartenpool eine Baugenehmigung brauchen

Ein Gartenpool ist in den meisten Bundesländern verfahrensfrei, solange das Becken höchstens 100 Kubikmeter fasst und nicht im Außenbereich liegt. Bayern nennt für Schwimmbecken keine Volumengrenze, Hessen verlangt ab 1,50 Meter Tiefe eine Bescheinigung zur Standsicherheit. Verfahrensfrei heißt nicht erlaubt: Bebauungsplan, Abstandsflächen und Nachbarrecht gelten weiter.

Wann Ihr Gartenpool ohne Baugenehmigung auskommt

Ein Gartenpool bleibt in den meisten Bundesländern verfahrensfrei, wenn das Becken höchstens 100 Kubikmeter Wasser fasst. Verfahrensfrei bedeutet: Sie stellen keinen Bauantrag und bekommen keine Baugenehmigung, Sie bauen in eigener Verantwortung. Den Maßstab setzt nicht der Bund, sondern die Bauordnung Ihres Bundeslandes.

Der Grund dafür steht im Grundgesetz: Bauordnungsrecht ist Ländersache. Damit die 16 Landesbauordnungen nicht völlig auseinanderlaufen, erarbeitet die Bauministerkonferenz eine Musterbauordnung. Sie ist selbst kein geltendes Recht, sondern eine Vorlage, an der sich die Länder orientieren. In ihrer Fassung vom 26. und 27. September 2024 stellt § 61 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a Schwimmbecken mit einem Beckeninhalt bis zu 100 Kubikmetern einschließlich dazugehöriger luftgetragener Überdachungen verfahrensfrei, außer im Außenbereich.

Verfahrensfreier Beckeninhalt nach der Musterbauordnung
bis 100 Kubikmeter
Musterbauordnung, § 61 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a, Stand 27. September 2024
Volumengrenze für Schwimmbecken in der Bayerischen Bauordnung
keine
Bayerische Bauordnung, Art. 57 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a, Stand 20. September 2026
Höchstes Bußgeld für das Bauen ohne erforderliche Baugenehmigung
500.000 Euro
Musterbauordnung, § 84 Absatz 1 Nummer 3 und Absatz 3, Stand 27. September 2024

Sechs Landesbauordnungen zeigen, wie weit die Länder von dieser Vorlage abweichen. Die Tabelle gibt wieder, was im jeweiligen Gesetzestext steht, nicht, was ein Ratgeber daraus macht.

Verfahrensfreiheit von Schwimmbecken in sechs Landesbauordnungen und in der Musterbauordnung, jeweils im Wortlaut der Vorschrift geprüft am 20. September 2026.
LandGrenze für das BeckenFundstelleWas die Vorschrift zusätzlich verlangt
Musterbauordnung, die Vorlage der Länderbis 100 Kubikmeter Beckeninhalt§ 61 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a MBOluftgetragene Überdachungen eingeschlossen, nicht im Außenbereich
Bayernkeine Volumengrenze für SchwimmbeckenArt. 57 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a BayBOtemporäre luftgetragene Überdachungen eingeschlossen, nicht im Außenbereich; für sonstige Wasserbecken gilt weiter die Grenze von 100 Kubikmetern
Baden-Württembergbis 100 Kubikmeter BeckeninhaltAnhang 1 zu § 50 Absatz 1 LBO, Abschnitt Behälter und Wasserbeckenim Außenbereich nur für land- oder forstwirtschaftliche Nutzung; luftgetragene Überdachungen bis 100 Quadratmeter gesondert geregelt
Hessenbis 100 Kubikmeter Rauminhalt und 2 Meter TiefeAnlage zu § 63 HBO, Abschnitt I Nummer 6.6ab mehr als 1,50 Meter Tiefe nur, wenn eine nachweisberechtigte Person die statisch-konstruktive Unbedenklichkeit bescheinigt
Nordrhein-Westfalenbis 100 Kubikmeter Beckeninhalt§ 62 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a BauO NRW 2018im Außenbereich nur als Nebenanlage eines höchstens 50 Meter entfernten Gebäudes mit Aufenthaltsräumen
Sachsenbis 100 Kubikmeter Beckeninhalt§ 61 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a SächsBOWortlaut wie in der Musterbauordnung, nicht im Außenbereich
Brandenburgbis 100 Kubikmeter Beckeninhalt§ 61 Absatz 1 BbgBO, Gruppe der Anlagen, Behälter und Beckennur als Nebenanlage zu einem Wohngebäude; für Camping- und Wochenendplätze gilt eine eigene Nummer

Zwei Zeilen dieser Tabelle ändern die Planung: Wer in Bayern baut, stößt beim Schwimmbecken auf keine Volumengrenze, und wer in Hessen ein Becken mit 1,80 Meter Tiefe plant, braucht vor dem ersten Spatenstich eine Bescheinigung zur Standsicherheit. Die übrigen zehn Länder stehen hier nicht, weil ihr Wortlaut für diesen Text nicht im Original geprüft wurde. Lesen Sie die Bauordnung Ihres Landes selbst nach oder fragen Sie beim Bauamt.

Brauchen Sie für Ihren Pool ein Genehmigungsverfahren?

Fasst Ihr Becken höchstens 100 Kubikmeter Wasser?

Ja

Liegt Ihr Grundstück im Innenbereich, also in einem Bebauungsplangebiet oder innerhalb eines bebauten Ortsteils?

Ja

Nennt Ihre Landesbauordnung zusätzliche Bedingungen, etwa eine Tiefengrenze oder eine Bescheinigung zur Standsicherheit?

Ja

Sie erfüllen erst diese Bedingung, dann bauen Sie verfahrensfrei. In Hessen heißt das bei mehr als 1,50 Meter Tiefe: Bescheinigung einer nachweisberechtigten Person, bevor die Arbeiten beginnen.

Nein

Sie bauen verfahrensfrei. Bebauungsplan, Abstandsflächen, Nachbarrecht und Grundflächenzahl gelten trotzdem, und die Bauaufsicht darf bei einem Verstoß eingreifen.

Nein

Im Außenbereich gilt die Verfahrensfreiheit meist nicht oder nur eingeschränkt. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel nur als Nebenanlage eines höchstens 50 Meter entfernten Gebäudes mit Aufenthaltsräumen. Fragen Sie vor der Planung bei der unteren Bauaufsichtsbehörde nach.

Nein

Über 100 Kubikmeter brauchen Sie in fast jedem Land eine Baugenehmigung. Bayern ist die Ausnahme, dort kennt die Vorschrift für Schwimmbecken keine Volumengrenze. Klären Sie das schriftlich, bevor Sie einen Betrieb beauftragen.

So rechnen Sie den Beckeninhalt Ihres Pools aus

Der Beckeninhalt ist das Wasservolumen in Kubikmetern, und er entscheidet über das Verfahren. Für ein rechteckiges Becken rechnen Sie Länge mal Breite mal mittlere Wassertiefe. Ein Kubikmeter sind 1.000 Liter.

  1. Messen Sie die Innenmaße des geplanten Beckens in Metern, nicht die Außenmaße der Wand. Maßgeblich ist der Raum, der Wasser aufnimmt.
  2. Nehmen Sie bei gleichmäßiger Tiefe diese Tiefe, bei Schrägboden den Mittelwert aus flachster und tiefster Stelle.
  3. Ziehen Sie den Freibord ab, also die Höhe zwischen Wasserspiegel und Beckenrand. Bei einem Skimmerbecken sind das meist 10 bis 15 Zentimeter.
  4. Rechnen Sie Länge mal Breite mal mittlere Wassertiefe. Beispiel: 8 mal 4 mal 1,45 ergibt 46,4 Kubikmeter, also rund 46.000 Liter.
  5. Vergleichen Sie das Ergebnis mit der Grenze Ihres Bundeslandes und halten Sie die Rechnung schriftlich fest, samt Datum und Maßen.

Diese Zahl brauchen Sie nicht nur für das Bauamt. Sie bestimmt auch, wie groß die Filteranlage sein muss, wie viel Wasser Sie beim Befüllen bezahlen und wie lange eine Wärmepumpe braucht, um das Becken aufzuheizen. Wer sie einmal sauber ausrechnet, benutzt sie in jedem weiteren Gespräch.

Verfahrensfrei heißt nicht, dass Sie bauen dürfen, was Sie wollen

Verfahrensfrei bedeutet nur, dass kein Antrag nötig ist. Die Regeln selbst gelten weiter. § 59 Absatz 2 der Musterbauordnung sagt das ausdrücklich: Die Genehmigungsfreiheit entbindet nicht von der Verpflichtung zur Einhaltung der Anforderungen, die durch öffentlich-rechtliche Vorschriften an Anlagen gestellt werden, und lässt die bauaufsichtlichen Eingriffsbefugnisse unberührt.

Praktisch heißt das: Niemand prüft Ihren Pool vorab, aber jeder darf ihn hinterher beanstanden. Diese Vorschriften gelten unabhängig vom Verfahren:

  • Der Bebauungsplan Ihrer Gemeinde, der Baugrenzen, überbaubare Flächen und manchmal die Gestaltung von Freiflächen festlegt.
  • Die Grundflächenzahl, also der Anteil des Grundstücks, der überbaut werden darf. Alle baulichen Anlagen zusammen dürfen sie nicht überschreiten, darauf weist die Bauaufsicht des Landkreises Darmstadt-Dieburg für Hessen ausdrücklich hin.
  • Die Abstandsflächen der Landesbauordnung, sobald von der Anlage Wirkungen wie von einem Gebäude ausgehen.
  • Das Nachbarrecht des Landes, etwa Grenzabstände für Mauern, Sichtschutz und Bepflanzung rund um das Becken.
  • Örtliche Satzungen zu Baumschutz, Gestaltung, Denkmalschutz oder Entwässerung, die Ihre Gemeinde erlassen hat.
  • Das Wasserrecht, wenn Sie Grundwasser antreffen oder das Beckenwasser später ableiten wollen.

Der teuerste Irrtum entsteht dort, wo ein Grundstück im Bebauungsplan eine private Grünfläche trägt. Dort ist die Fläche für Bepflanzung vorgesehen, nicht für ein Becken aus Beton. Ein Blick in den Plan kostet nichts und steht in vielen Gemeinden online.

Welche Abstände Sie zum Nachbargrundstück einhalten müssen

Ein ebenerdiges Becken ohne Überdachung löst in der Regel keine Abstandsfläche aus. Das Bauportal des Landes Nordrhein-Westfalen formuliert es so: Ebenerdige Schwimmbecken ohne Überdachung lösen regelmäßig keine Abstandsflächen aus. Der Grund liegt in § 6 Absatz 1 Satz 2 der Musterbauordnung: Abstandsflächen verlangt das Gesetz vor Außenwänden von Gebäuden und entsprechend vor anderen Anlagen, von denen Wirkungen wie von Gebäuden ausgehen. Von einer Wasserfläche im Boden geht keine solche Wirkung aus.

Sobald etwas aufragt, kippt die Bewertung. Eine feste Überdachung von mehr als 2 Metern Höhe wirkt wie ein Gebäude und braucht den Abstand. In Hessen weist die Bauaufsicht des Landkreises Darmstadt-Dieburg darauf hin, dass Wasserbecken mit einer 1 Meter hohen Ummauerung 3 Meter Abstand zur Nachbargrenze halten müssen und Überdachungen nicht näher als 3 Meter an die Grenze rücken dürfen.

Neben dem Bauordnungsrecht steht das Nachbarrecht der Länder, und es regelt anderes: Einfriedungen, Bepflanzung, Sichtschutz, Überhang. Beides kann gleichzeitig gelten. Wer den Pool an die Grenze schiebt, verschiebt auch die Technik dorthin, und dann wird die Filterpumpe zum Nachbarschaftsthema, nicht das Becken.

Wann die Poolüberdachung ein eigenes Verfahren braucht

Luftgetragene Überdachungen sind dort mitverfahrensfrei, wo das Becken es ist. Die Musterbauordnung nennt sie ausdrücklich im selben Satz wie das Schwimmbecken, Bayern spricht von temporären luftgetragenen Überdachungen, Hessen erlaubt luftgetragene Schwimmbeckenüberdachungen bis 100 Quadratmeter Grundfläche, Baden-Württemberg ebenfalls bis 100 Quadratmeter im Innenbereich.

Luftgetragen heißt: Die Hülle steht nur, solange ein Gebläse sie aufbläst. Eine feste Überdachung aus Aluminium und Polycarbonat ist etwas anderes. Sie hat eine Tragkonstruktion, sie bleibt stehen, und sobald sie betretbar ist und Wände und Dach hat, ist sie ein Gebäude im Sinne der Landesbauordnung. Das Bauportal Nordrhein-Westfalen unterscheidet deshalb zwischen luftgetragenen und harten Überdachungen und ordnet die harte Variante dem Genehmigungsverfahren zu.

Für Sie heißt das: Planen Sie die Überdachung mit, bevor Sie das Becken bestellen. Wer zuerst das Becken setzt und zwei Jahre später überdacht, führt zwei getrennte Verfahren und stellt manchmal fest, dass die Überdachung wegen der Abstandsfläche nicht mehr an die geplante Stelle passt.

Was im Außenbereich und im Bebauungsplan anders gilt

Der Außenbereich ist das, was nach § 35 des Baugesetzbuchs weder im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans noch innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils liegt. Dort soll möglichst wenig gebaut werden, und genau deshalb endet die Verfahrensfreiheit für Schwimmbecken meist an dieser Grenze.

Die Länder lösen das unterschiedlich. Die Musterbauordnung, Bayern und Sachsen nehmen den Außenbereich schlicht aus. Nordrhein-Westfalen lässt das Becken dort zu, wenn es Nebenanlage eines höchstens 50 Meter entfernten Gebäudes mit Aufenthaltsräumen ist. Baden-Württemberg lässt Wasserbecken im Außenbereich nur zu, wenn sie einer land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung dienen. Brandenburg verlangt, dass das Becken Nebenanlage zu einem Wohngebäude ist.

Ein zweiter Punkt betrifft den Aushub. Für das Becken wird Erde bewegt, und selbständige Abgrabungen sind in den Bauordnungen eigens geregelt. Die Musterbauordnung stellt Aufschüttungen und Abgrabungen bis 2 Meter Höhe oder Tiefe und bis 30 Quadratmeter Grundfläche frei, im Außenbereich bis 300 Quadratmeter. Hessen nennt dieselben Werte, Bayern stellt Aufschüttungen bis 2 Meter Höhe und 500 Quadratmeter frei. Wer den Aushub im Garten zu einem Hügel aufschüttet, kann damit eine eigene Grenze reißen, während das Becken selbst unter der seinen bleibt.

So bekommen Sie vom Bauamt eine belastbare Auskunft

Eine mündliche Auskunft am Telefon hilft beim Planen und trägt vor Gericht nichts. Verbindlich wird die Aussage erst als Vorbescheid. Nach § 75 der Musterbauordnung ist vor Einreichung des Bauantrags auf Antrag des Bauherrn zu einzelnen Fragen des Bauvorhabens ein Vorbescheid zu erteilen, und dieser Vorbescheid gilt drei Jahre.

In 5 Schritten zur belastbaren Auskunft über Ihren Pool
  1. Beckeninhalt und Lage festhalten

    Maße, Wasservolumen, Standort im Grundstück und Abstand zu den Grenzen auf einem Lageplan eintragen. Zuständig: Sie, vor dem ersten Angebot.

  2. Die eigene Landesbauordnung lesen

    Den Paragrafen zu den verfahrensfreien Vorhaben aufschlagen und die Nummer zu Schwimmbecken heraussuchen. Zuständig: Sie; der Gesetzestext steht auf dem Landesrechtsportal Ihres Bundeslandes.

  3. Bebauungsplan einsehen

    Baugrenzen, Grundflächenzahl und Festsetzungen zu Freiflächen prüfen. Zuständig: die Gemeinde; viele Pläne stehen im Geoportal, sonst Einsicht im Rathaus.

  4. Schriftlich bei der Bauaufsicht anfragen

    Lageplan, Maße und Volumen mitschicken und um eine Einschätzung bitten. Zuständig: die untere Bauaufsichtsbehörde bei Kreis oder kreisfreier Stadt.

  5. Bei Zweifeln einen Vorbescheid beantragen

    Der Vorbescheid klärt Einzelfragen verbindlich und gilt drei Jahre. Zuständig: dieselbe Behörde; er kostet eine Gebühr nach der Gebührenordnung des Landes.

Heben Sie die Antwort auf. Wenn das Grundstück in zehn Jahren verkauft wird, fragt der Käufer nach Unterlagen zum Pool, und dann ist die Auskunft des Bauamts das einzige Papier, das es dazu gibt.

Was ein Pool ohne die nötige Genehmigung kostet

Wer ohne erforderliche Baugenehmigung baut, handelt ordnungswidrig. § 84 Absatz 1 Nummer 3 der Musterbauordnung nennt genau diesen Fall, und Absatz 3 setzt den Rahmen: Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 500.000 Euro geahndet werden. Das ist der Höchstrahmen für alle Verstöße gegen die Bauordnung, nicht der Betrag für einen Gartenpool; jedes Land setzt in seiner eigenen Bauordnung und seinem Bußgeldkatalog fest, was im Einzelfall anfällt.

Teurer als das Bußgeld ist meist die zweite Folge. Die Behörde kann nach § 80 Satz 1 der Musterbauordnung die Beseitigung anordnen, wenn sich rechtmäßige Zustände nicht anders herstellen lassen. Bei einem Betonbecken heißt das: Abbruch, Entsorgung und Wiederherstellung des Geländes, dazu die bereits bezahlten Baukosten.

Deshalb lohnt sich die halbe Stunde für den Blick ins Gesetz und die Mail ans Bauamt. Sie kostet nichts und erspart im ungünstigen Fall den teuersten Rückbau, den ein Garten kennt.

Häufige Fragen

Braucht ein Gartenpool bis 100 Kubikmeter eine Baugenehmigung?

In den meisten Bundesländern nicht. Die Musterbauordnung stellt Schwimmbecken bis 100 Kubikmeter Beckeninhalt in § 61 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a verfahrensfrei, und Länder wie Nordrhein-Westfalen und Sachsen haben diesen Wortlaut übernommen. Maßgeblich ist immer die Bauordnung des eigenen Landes, nicht die Musterbauordnung.

Gilt die Grenze von 100 Kubikmetern für einen Pool in Bayern?

Für Schwimmbecken nicht. Art. 57 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a der Bayerischen Bauordnung stellt Schwimmbecken einschließlich dazugehöriger temporärer luftgetragener Überdachungen verfahrensfrei, außer im Außenbereich, und nennt dabei keine Volumengrenze. Die Grenze von 100 Kubikmetern steht in Bayern bei den sonstigen Wasserbecken.

Wie tief darf ein Gartenpool in Hessen ohne Genehmigung sein?

Bis 2 Meter. Die Anlage zu § 63 der Hessischen Bauordnung stellt Wasserbecken bis 100 Kubikmeter Rauminhalt und 2 Meter Tiefe frei. Bei einer Tiefe zwischen 1,50 und 2 Metern gilt ein Vorbehalt: Eine nachweisberechtigte Person muss die statisch-konstruktive Unbedenklichkeit feststellen und bescheinigen, bevor gebaut wird.

Muss ein Gartenpool einen Abstand zur Grundstücksgrenze einhalten?

Ein ebenerdiges Becken ohne Überdachung löst nach Auskunft des Bauportals Nordrhein-Westfalen regelmäßig keine Abstandsflächen aus, weil von ihm keine Wirkungen wie von einem Gebäude ausgehen. Sobald eine feste Überdachung oder eine hohe Ummauerung dazukommt, ändert sich das. In Hessen verlangt die Bauaufsicht bei einer 1 Meter hohen Ummauerung 3 Meter Abstand zur Nachbargrenze.

Braucht eine feste Poolüberdachung eine eigene Baugenehmigung?

Meist ja. Verfahrensfrei sind nach den Landesbauordnungen nur luftgetragene Überdachungen, in Hessen und Baden-Württemberg zusätzlich begrenzt auf 100 Quadratmeter Grundfläche. Eine feste Überdachung mit Tragkonstruktion wird dagegen wie ein Gebäude behandelt und durchläuft ein Genehmigungsverfahren. Planen Sie die Überdachung deshalb zusammen mit dem Becken.

Was passiert, wenn ein Pool ohne Genehmigung gebaut wurde?

Zwei Dinge können folgen. Das Bauen ohne erforderliche Genehmigung ist eine Ordnungswidrigkeit, für die die Musterbauordnung einen Bußgeldrahmen bis 500.000 Euro vorsieht; die konkrete Höhe legt das jeweilige Land fest. Daneben kann die Bauaufsichtsbehörde die Beseitigung der Anlage anordnen, wenn sich rechtmäßige Zustände nicht anders herstellen lassen.

Begriffe aus diesem Artikel im Glossar

  • Baugenehmigung für den Gartenpool: Ob ein Gartenpool eine Baugenehmigung braucht, regelt die Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslands, nicht ein bundesweit einheitliches Gesetz. Die Musterbauordnung nennt Schwimmbecken bis 100 Kubikmeter Wasserinhalt als Richtwert für Verfahrensfreiheit, einzelne Länder setzen eigene, teils niedrigere Grenzen. Bayern verzichtet seit Mai 2026 ganz auf eine feste Volumengrenze für Gartenpools.
  • Landesbauordnung: Die Landesbauordnung ist das Landesgesetz, das die technischen, sicherheitsbezogenen und gestalterischen Anforderungen an Bauvorhaben regelt, darunter Abstandsflächen, Genehmigungsverfahren und Brandschutz. Weil Bauordnungsrecht in Deutschland Ländersache ist, hat jedes der 16 Bundesländer eine eigene Fassung. Alle orientieren sich an der gemeinsamen Musterbauordnung, weichen aber in Details voneinander ab.
  • Musterbauordnung (MBO): Die Musterbauordnung ist kein Gesetz, sondern eine von der Bauministerkonferenz der Länder erarbeitete Vorlage, an der sich die 16 Landesbauordnungen orientieren. Sie schafft einen gemeinsamen Kern, etwa den Richtwert von 100 Kubikmetern Wasserinhalt für verfahrensfreie Schwimmbecken, den einzelne Länder übernehmen, verschärfen oder wie Bayern inzwischen ganz aufheben.
  • Grenzabstand zum Nachbarn: Einen bundesweit einheitlichen Mindestabstand für Gartenpools zum Nachbargrundstück gibt es nicht. Er ergibt sich aus der Landesbauordnung und einem örtlichen Bebauungsplan. In Nordrhein-Westfalen etwa greifen Abstandsflächen erst ab zwei Meter Höhe oder ab einem Meter bei begehbaren Anlagen, ein nicht fest verbundener Aufstellpool bis zwei Meter braucht dort 0,5 Meter Abstand.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Musterbauordnung (MBO), Fassung November 2002, zuletzt geändert durch Beschluss der Bauministerkonferenz vom 26. und 27. September 2024, § 59 Absatz 2, § 61 Absatz 1, § 75, § 80 und § 84, Bauministerkonferenz, bereitgestellt vom Deutschen Institut für Bautechnik,
  2. Art. 57 BayBO, Verfahrensfreie Bauvorhaben, Beseitigung von Anlagen, Bayerisches Staatsministerium der Justiz, Bayern.Recht,
  3. § 61 SächsBO, Verfahrensfreie Bauvorhaben, Beseitigung von Anlagen, Sächsische Bauordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. Mai 2016, zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 1. März 2024, Freistaat Sachsen, REVOSax Landesrecht,
  4. Hessische Bauordnung (HBO) 2018 mit Änderung vom Juli 2023, Anlage zu § 63, Abschnitt I Nummer 6.6 und 9.5 sowie Abschnitt V Nummer 3, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen,
  5. Brandenburgische Bauordnung (BbgBO) vom 19. Mai 2016, zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 15. Oktober 2018, § 61 Verfahrensfreie Vorhaben, Land Brandenburg, BRAVORS,
  6. Schwimmbecken bauen in Nordrhein-Westfalen, Verfahrensfreiheit nach § 62 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a BauO NRW 2018, Überdachungen und Abstandsflächen, Land Nordrhein-Westfalen, Bauportal NRW,
  7. Häufige Fragen der Bauaufsicht zu Schwimmbecken, Abstandsflächen und Grundflächenzahl, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Bauaufsicht,
  8. Verfahrensfreie Vorhaben nach § 50 LBO für Baden-Württemberg, Wasserbecken bis 100 Kubikmeter, Stadt Herrenberg, Servicebüro Bauen,

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Stand dieser Angaben: 20. September 2026.